kiara hat geschrieben:ich hab überhaupt keinen überblick, wie ich in der hinsicht "moralisch weniger schlimme / bessere" produkte konsumieren soll.
Passt jetzt nicht zwar nicht direkt zum Thema Rauchen, aber: Es ist in der Praxis unmöglich, jedes einzelne Produkt bis zum Ursprung zurückzuverfolgen. Oder man wäre zumindest den ganzen Tag nur damit beschäftigt, sich um die Einkäufe zu kümmern. Siegel (Bio/FairTrade/...) geben sicherlich eine Richtung vor, aber sind natürlich auch noch kein Garant für ein sozial- und umweltverträgliches Produkt. So kann es theoretisch also etwa sein, dass ein konventioneller Hersteller eines Produkts direkte Geschäftsbeziehungen zu einem Kakaoerzeuger aufbaut, auf ordentliche Arbeitsverhältnisse achtet und sehr faire Preise zahlt, ohne das aber besonders erkenntlich zu machen, während ein anderer Erzeuger schlechteren Bedingungen ausgesetzt ist und der Hersteller nur gerade so die Anforderungen erfüllt, um ein FairTrade-Siegel auf die Verpackung pappen zu dürfen. Ebenso kann ein Biobauer potenziell mehr Umweltschäden und schlechtere Ware liefert als ein konventioneller Bauer, indem er einen ganzen Sack von dem Kupfer-Spritzzeugs aufs Feld kippt und/oder das Feldgut vermodern lässt, während der konventionelle Bauer sehr sorgsam mit seinen chemischen Mittelchen umgeht, Mischkultur betreibt und seine Pflanzen gut behandelt.
Gerade bei Import- und Überseeware oder bei weiterverarbeiteten Produkten mit mehreren Zutaten hat man keinen Überblick, bei Nicht-Lebensmitteln noch weniger.
Ich mache es so, dass ich bei Lebensmitteln vor allem Saisonware kaufe, weil die hierzulande hergestellt und unter energetisch günstigen Bedingungen (also im Sinne, dass es am meisten an die Jahreszeit/Klimazone angepasst ist) angebaut wird. Produkte mit klassischen Überseezutaten (Kakao, Palmfett, etc.) oder Obst/Gemüse, das nicht der Saison entspricht (Tomaten aus Israel im Winter) betrachte ich eher als Luxusware und kaufe sie entsprechend nur selten oder zu besonderen Anlässen. Bei Nicht-Lebensmitteln achte ich einfach darauf, halbwegs sparsam zu sein, also nicht etwa Klamotten zu kaufen, die ich nie trage oder Küchenmaschinen, die ich nie benutze. Ob ich dadurch irgendwas verändere oder verbessere, weiß ich auch nicht, weswegen das alles auch wieder ein Stück weit eine Glaubensfrage ist. Man kann Entscheidungen eben nur anhand des eigenen Informationsstandes treffen. Und wenn man die konsumierten Produkte nicht selbst herstellt und somit alle Stationen der Produktion selbst mitbekommt, hat man letztendlich erstmal keine Ahnung und kann sich nur danach richten, was man hier und da mal irgendwo erfährt.