Milch ist Doppelmord

Diskussionen pro & contra

Beitragvon maqi am 11. Jun 2010 16:01

kiara hat geschrieben:Tatsächlich, allerdings gibt es sehr wesentliche Unterschiede zwischen Rauchen und Fleischkonsum:
1) Rauchen ist ohne Zweifel stark gesundheitsschädigend. Das ist unumstritten. Fleisch hat einen ambivalenten Ruf, doch einige Ernährungsphilosophien sehen Fleisch als einen gesunden Teil der menschlichen Ernährung. Keine, oder nur verschwindend wenige, Wissenschaftler sehen Rauchen als einen gesunden Teil des menschlichen Konsums. Das heißt, die Kritik am Rauchen steht (ob gerechtfertigterweise oder nicht) auf "sichereren Beinen" als gesundheitliche Kritik an Fleischkonsum. (Hier geht es mir nicht um die objektive Gesundheitswirkung von Fleisch, sondern um die von der Gesellschaft / von Ernährungswissenschaftlern angenommenen Effekte auf die Gesundheit.)
2) Die Erkenntnis der Effekte des Rauchens ist m.M.n. nicht so ethisch belastend wie die Erkenntnis der Konsequenzen des Fleischkonsums - wer als Raucher sich wirklich klar macht, wie giftig Rauchen ist, erkennt dadurch "lediglich" den Schaden am eigenen Körper an - wer als Fleischesser sich bildlich das vermeidbare Leid durch Tierhaltung klarmacht, ist plötzlich mit gigantischen moralischen Schuldgefühlen überwältigt und m.M.n. als Omnivorer oft überfordert, weswegen zurück in die Verdrängung gegangen wird. Ich glaube nicht, dass Menschen das aus Boshaftigkeit tun, ich glaube, sie durchblicken die Konsequenzen ihres Handelns einfach nicht.
3) Raucher sind in der praktischen sowie gefühlten Minderheit, Rauchen ist, simpel ausgedrückt, "unnormal", während Fleischkonsum als "normal" gilt, als biologische und soziologische Norm.


Natürlich gibt es Unterschiede. Ich meinte auch, sie seien vergleichbar, nicht identisch.

1) "Fleisch"konsum ist m.E. nicht weniger selbstverständlich gesundheitsschädlich. Dass man ohne Leichenteile völlig gesund leben kann ("Vegetarier leben länger" liest man ständig), ist weitgehend bekannt und wird kaum in Frage gestellt. Hier gibt es kaum einen großen Unterschied. Beim Veganismus ist es nicht ganz so, aber im Fall von "Vegetarier sind Mörder" (VsM) ähnlich: Unter Vegetarier ist die Möglichkeit des Veganismus meistens bekannt und die gesundheitliche Nicht-Schädlichkeit hat bei ihnen einen ähnlichen Status wie dieselbe des Nicht-"Fleisch"konsums.

2) Es ist richtig, dass die Darstellung der ethischen Folgen des Unveganismus drastisch und belastend wirken kann, aber die Situation in Bezug auf die Überzeugungsstrategie ist trotzdem etwas anders. Da in den Medien ständig von Tierleid berichtet wird (von Tiertransporten oder "Skandalen" bzgl. Zuständen in manchen Tierausbeutungsanlagen oder Schlachthöfen), ist sich fast jeder der Folgen für die Tiere bewusst, verdrängt sie aber immer wieder. Um hier Wirkung zu erzeugen, muss man diese Verdrängung durchbrechen, das geht nur konfrontativ.
Zudem scheinst du die Abwehrreaktion überzubewerten. Wie bereits gesagt, ist die heftige Abwehr auf Texte wie VsM das Zeichen, dass sie funktionieren, d.h. Wirkung zeigen. Nur wenn eine Abwehr erfolgt, wurde der Verdrängungsmechanismus empfindlich, d.h. wirksam, getroffen. Was an diesen ersten Reaktionen oft nicht ersichtlich ist, ist, dass diese Wirkung langsam fruchtet und sich die Betroffenen, da sie feststellen müssen, dass wir Recht haben, schließlich anfangen umzudenken. Genau diese Abfolge zeigen die Reaktionen von vielen Leuten, die VsM gelesen haben.

Ich fand es auch erschreckend auf die nase gebunden zu bekommen,als vegetarierin nicht besser zu sein als andere....sogar noch schlimmer!Ich werde versuchen als veganerin zu leben auch wenn es mir nicht leicht fallen wird!Aber es ist für mich mich und meine seele´und vor allem natürlich für die tiere besser wenn ich meinen lebensstil wandel!!danke für den arschtritt!!! (http://tierrechtsforen.de/2/586/2641)

Mein Freund und ich sind Ende Februar '03 durch den Text vegan geworden.
Wir wollten es nicht war haben, wollten eine bitterböse Mail an Achim schreiben und mussten dann erkennen, dass wir nichts widerlegen konnten.
(http://tierrechtsforen.de/2/586/1813)

Ich bin die Miriam und bin durch euren Text "Vegetarier sind Mörder" vegan geworden. Naja, genaugenommen war Text nur der Stein des Anstoßes. Ehrlich gesagt fühlte ich mich als Vegetarierin nur blöd angemacht, aber dennoch beschäftigte ich mich mit dem Thema und musste erkennen wie recht ihr mit eurem Text habt. (http://tierrechtsforen.de/2/586/1876)

usw.

Bevor der Hinweis auf Einseitigkeit oder selektive Wahrnehmung kommt: Die negativen Reaktionen darauf gibt es, sie lassen sich zu zwei Gruppen zuordnen: 1. die Leute, die den Artikel nicht gelesen haben (sehr deutlich aus Formulierungen wie was habt ihr gegen vegetarier? was haben sie denn falsch gemacht? usw.), 2. die, die ohnehin nicht vegan werden wollen. Da es bei Vegetariern im Gegensatz zu Veganern nicht wenige gibt (min. die Hälfte), die aus gesundheitlichen oder religiösen Gründen vegetarisch leben, nicht aus ethischen, sind das Speziesisten wie alle anderen. Sie haben das Problem verstanden, es interessiert sie nur nicht, daher nehmen sie den Text als Vorwand für ihre Unwilligkeit.
Gibt es auch solche, die wirklich "abgeschreckt" wurden? Manche sicher, aber das ist der kleinste Teil (s.o.) und beweist nur, dass kein Text und keine Strategie perfekt ist, d.h. mit der man absolut alle Menschen erreichen kann. Da das Internet jedoch voller vegetarismusfreundlicher Seiten ist, ist so ein Ausgleich mehr als sinnvoll. Die Reaktionen, die sagen, sie hätten hier im Gegensatz zu anderen veganismusbezogenen Seiten zum ersten Mal Kritik gelesen, bestätigen das.

3) Wieso das Minderheitenargument gegen konfrontative Werbung spricht, verstehe ich nicht ganz.

maqi hat geschrieben: Natürlich gibt es auch positive Botschaften (Rauchen verursacht Gesundheitsschäden usw.),
das ist eine negative Botschaft, würd ich sagen...?


In dieser Formulierung ja. Ich hatte die andere Formulierung (derselben Aussage) im Sinn (ohne Rauchen leben Sie gesünder). Im Bereich Veganismus kann man die Aussagen aber leider nicht einfach umdrehen, da dies nicht bekannt ist. Vegetarier sagen ständig "für mich muss kein Tier sterben", weshalb man die Falschheit dieser Aussage deutlich aussprechen muss und die umgedrehte Aussage nur auf Unverständnis stieße.

Ja, meiner Meinung nach sind diese Werbungen nicht besonders effektiv. Sie helfen m.M.n. hauptsächlich präventiv bei Nichtrauchern.


Studien sagen etwas anderes. Hier ein Zeitungsartikel dazu:

"Mit den drastischen schriftlichen Warnhinweisen auf den Schachteln haben wir bislang schon große Fortschritte erzielt", erklärte der britische Gesundheitsminister Alan Johnson. [...]
Im Detail brachte die jüngste Studie aus dem Jahr 2006 folgende Ergebnisse:
- 71 Prozent der erwachsenen Raucher sagten, dass sie die Warnungen als effektiv empfanden (im Jahr 2001 waren es noch 54 Prozent gewesen).
- 90 Prozent der Kanadier (90 Prozent erwachsende, 93 Prozent jugendliche Raucher) sagen, dass sie die Warnhinweise auf den Packungen wahrgenommen haben. Die Raucher (99 Prozent erwachsen, 98 Prozent jugendliche) betonen fast einstimmig, sich an die Bilder erinnern zu können (vorherige Studien ergaben fast ähnliche Resultate)
[...]
Im Gesamtergebnis scheinen sich die Warnhinweise positiv auszuzahlen: Kanada hat mit einer Raucherquote von 19 Prozent eine der niedrigsten weltweit.
(http://www.stern.de/gesundheit/gesundhe ... 96750.html)

Unabhängig von der Verschiedenheit von Rauchen und Unveganismus beweist das, das konfrontative Methoden erfolgreich sind.

Eine negative Botschaft "X hängt kausal zusammen mit Schlechtem Y, also unterlasse X" "schiebt" den Empfänger in eine bestimmte Richtung - weg von X. Da aber Menschen empfindlich sind und mit der bewussten Wahrnehmung von vielen potentiellen Gefahren überfordert wären (und viele davon auch unsinnig sind, weil man ja heutzutage einer großen Menge an Informationen ausgesetzt ist), bauen sie sich eine geistige Mauer als Schutz. Die bricht erst dann ein, wenn der Mensch X nicht mehr tut und daher geistig nicht mehr von Y bedroht ist. Am Raucher-Beispiel: ein Raucher verdrängt Krebsgefahr, Nikotinsucht, Geldmangel, bis er geschafft hat, aufzuhören, dann können ihm diese Probleme im vollen Umfang klar werden, weil sie ihn nicht mehr bedrohen, da er jetzt Nichtraucher ist.


Ja, das ist meistens das Schema, aber das sagt doch deutlich, dass man bestrebt sein muss, diese Wirkung bereits vorher zu erzeugen. Wie gesagt: die (- wie du weißt - unglaublich starke) Verdrängung muss überwunden werden. Das geht nicht auf die sanfte Art.

Eine positive Botschaft "Nicht W hängt kausal zusammen mit Gutem Z, also tue W" würde ich als Pull-Effekt bezeichnen. Da es aber normal ist, dass es viele tolle Optionen gibt, fühlt sich der Mensch davon nicht bedroht, schottet sich also nicht ab, sondern die Optionen werden abgewogen - wofür Zeit, Mühe, Geld investiert wird.


Nur ist das nur die eine Seite. Die Abwägung der Optionen fällt immer zu der Seite, die leichter umzusetzen ist und das ist die Nicht-Änderung. Ohne wirklich zwingende Gründe, und das sind nur die ethischen, nicht die gesundheitlichen/ökologischen, fehlt der finale Anreiz.

Nun gibt es aber den - ich glaube Großteil - der Menschen, die mögen lieber ein gemütliches "gemachtes Nest", in das sie sich "geistig reinsetzen können": eine Seite über Schneidern oder eine Seite über Katzen oder... usw. you get the idea. Das finde ich auch nicht denkfaul, sondern eher menschlich und normal, und eigentlich ist Veganismus ja etwas positives, schönes und angenehmes, also denke ich, dass eine derartig gestaltete Seite dem Thema auch gerecht würde.


Wie gesagt: es gibt Duzende nicht-konfrontative Seiten, genau genommen kenne ich keine andere (mit gewissem Bekanntheitsgrad), die in Bezug auf Vegetarier konfrontativ wäre. In Bezug auf sonstige Unveganer gibt es auch nur wenige. Es gibt also genug Möglichkeiten für Unveganer, es sich bequem zu machen, und die Ergänzung durch andere Methoden ist umso notwendiger.

Verbale und körperliche Gewalt sind nicht so getrennt wie sie uns immer scheinen.


Dass es Wechselwirkungen gibt, will ich nicht bestreiten. Dennoch sind sie so gering, dass ich deinen Vergleich weiterhin für überzogen halte. Abgesehen davon sind objektive Feststellungen keine verbale Gewalt, denn erst die Subjektivität einer Aussage macht sie zur Beleidigung.

Meiner Meinung nach führen solche konfrontativen Seiten also in den meisten Fällen zum Ignorieren, da sich Menschen diesem Schmerz nicht auseinandersetzen wollen.


Ich wie bereits argumentiert habe: das Ignorieren und Verdrängen entsteht nicht erst durch bestimmte Aktionsformen, es ist die ganze Zeit da. Jedem ist bewusst bzw. nach ein paar wenigen Erläuterungen klar, dass für Tierprodukte Tiere sterben. Es hilft nichts, die Verdrängungen weiter zu unterstützen, sondern wenn man sie jemals überwinden will, muss man sie angreifen.

Ich finde, diese Erkenntnisse über die Konsequenzen des Nichtveganismus sollten vom Menschen selbst kommen, nachdem er vegan geworden ist, und auch nur, nachdem er sich erlaubt, sich da selbst zu entschuldigen, da er damals eine andere Perspektive hatte. Denn die Vorwürfe sind groß.


Wie soll das gehen? Die Einsicht ist der Faktor, der zur Verhaltensänderung führt. Wie willst du eine Verhaltensänderung ohne Einsicht erzeugen?
Die Einsicht, dass man eine heiße Herdplatte, die am anfasst, loslassen sollte, kommt in dem Moment der Schmerzempfindung (und erst die ist die Motivation zum Loslassen), nicht erst hinterher, wenn man seine Verbrennung betrachtet.

Das finde ich auch schlimm, aber ich fürchte, dass es zu den Sachen gehört, die ich nicht ändern kann.


Natürlich nicht. Deshalb muss man auch darauf eingehen indem man seine Strategie diesen Tatsachen anpasst. Man kann keine Strategie auf seiner persönlichen Wunschvorstellung von der Welt begründen. Mir wäre auch lieber, würden die Menschen streng rational denken, das würde viel Argumentationsarbeit ersparen, leider ist es so, also muss ich mich darauf einstellen.

Diese sind aus ähnlichen Gründen wie bei Anti-Rauch-Plakaten anders wirksam als bei Veganismus. Bei AIDS ist das "Böse" noch offensichtlicher als beim Rauchen, und die Anzahl der Betroffenen noch kleiner.


Wie gesagt: es geht nicht um die gesamtgesellschaftliche Stellung dieser Bereiche, sondern um die psychologische Tatsache, dass konfrontative Methoden wirksam sind, weil sie nicht abschrecken, sondern aufschrecken.

Das ist sicherlich richtig und ich denke, dass der Ansatz eine gute Idee ist, doch ich finde, auch da gibt es zu viele negative Botschaften. Ich denke, am effektivsten ist ein Gemisch, in dem eine negative Botschaft kombiniert wird mit einer Überzahl an positiven Botschaften. Als simples Beispiel: "Rauchen ist schlecht für dich. Besiege das Rauchen. Kaufe unsere Antirauchpflaster. Stärke deinen Körper." oder so ähnlich besteht aus einer negativen und drei positiven Botschaften. Das Konzept ließe sich m.M.n. gut auf Vegan-Werbung für Vegetarier übertragen. Vegetarier sind dabei glaube ich besonders gut zu überzeugen, weswegen drastischere Konzepte möglicherweise unnötig abschreckend wirken könnten.


Das ist genau das Konzept, was besteht: Vegetarier sind im traditionellen Umfeld von Veganismus-Seiten ständig von (ausschließlich) positiven Argumenten umgeben und dadurch prädestiniert. Die "negativen" Fakten sind dann der letzte Denkanstoß.
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Beitragvon Akayi am 11. Jun 2010 16:39

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Re: Milch ist Doppelmord

Beitragvon kiara am 12. Jun 2010 20:28

Bin im Moment privat etwas beschäftigt, werde in ein paar Tagen länger antworten.
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Beitragvon SxEric am 13. Jun 2010 18:24

wie wärs eigentlich mit: www.autofahrersindmörder.de ??
beim autofahren sterben viele tiere und autofahren ist definitiv vermeidbar!
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Beitragvon pünktchen.av am 14. Jun 2010 20:02

maqi hat geschrieben: Wie bereits gesagt, ist die heftige Abwehr auf Texte wie VsM das Zeichen, dass sie funktionieren, d.h. Wirkung zeigen. Nur wenn eine Abwehr erfolgt, wurde der Verdrängungsmechanismus empfindlich, d.h. wirksam, getroffen.


lol - klassisches sektendenken. wer euch kritisiert, stimmt euch eigentlich zu, wer nicht, natürlich sowieso. ein geschlossenes system, in dem ihr immer recht bekommt. muss ja auch so sein, weil ihr eh recht habt.
:urgh:

maqi hat geschrieben:Nur ist das nur die eine Seite. Die Abwägung der Optionen fällt immer zu der Seite, die leichter umzusetzen ist und das ist die Nicht-Änderung. Ohne wirklich zwingende Gründe, und das sind nur die ethischen, nicht die gesundheitlichen/ökologischen, fehlt der finale Anreiz.


schon mal drüber nachgedacht, dass nicht zwingende (=schwache) gründe tragfähiger sein könnten als zwingende (=starke) gründe, die nur in einem geschlossenen wahnsystem haltbar sind?
Sein Pferdestall war abgebrannt, als Konfuzius von der Audienz heimkehrte.
Er fragte: "Sind Menschen verletzt?"
Nach den Pferden fragte er nicht.

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Beitragvon kiara am 24. Jun 2010 13:25

Entschuldige bitte die lange Pause! Ich war mit Organisieren und Umziehen beschäftigt. Also:

Maqi hat geschrieben:Natürlich gibt es Unterschiede. Ich meinte auch, sie seien vergleichbar, nicht identisch.
Ja, ich verstehe, aber ich denke, die Unterschiede sind in solch einer Form, dass sie in der Hinsicht, in der du es intendierst, nicht vergleichbar sind.

Maqi hat geschrieben:1) "Fleisch"konsum ist m.E. nicht weniger selbstverständlich gesundheitsschädlich. Dass man ohne Leichenteile völlig gesund leben kann ("Vegetarier leben länger" liest man ständig), ist weitgehend bekannt und wird kaum in Frage gestellt. Hier gibt es kaum einen großen Unterschied.
Aber sicher gibt es einen großen Unterschied. Wer als Jugendlicher anfängt zu rauchen und schwer raucht, ist mit etwa 50%er Wahrscheinlichkeit mit 50-60 Jahren tot. Wäre vergleichbares bei Fleischkonsum der Fall, hätten wir eine völlig andere demographische Entwicklung. Meine Arbeit in einer Arztpraxis hat mir das auch erschreckend gezeigt: Patientenakten lassen sich in Raucher und Nichtraucher unterteilen - einfach der Dicke nach - also die Anzahl der Krankheitsfälle, Krankenhausaufenthalte, Diagnosen... Es ist nicht übertrieben, zu sagen, dass Rauchen einer der größten Killer der Neuzeit ist.
Vegetarier verhalten sich grundsätzlich im Durchschnitt viel gesundheitsbewusster - mehr Bewegung, wenig Junk-food etc - trotzdem ist der Unterschied zwischen Vegetariern und Fleischessern längst nicht so groß wie zwischen Rauchern und Nichtrauchern. Dazu noch sind wegen des generell größer ausgeprägten Gesundheitsbewusstseins bei Vegetariern die Daten nicht besonders gut zu gebrauchen. Studien, bei denen alle anderen Faktoren gleich gehalten werden und zwischen zwei Probandengruppen nur der Fleischkonsum anders ist, wären aussagekräftiger, und es gibt einige Ernährungswissenschaftler, die aufgrund von solchen Studien Fleisch als Eiweißquelle empfehlen. Es wäre nie, niemals, nimmer möglich, so etwas über das Rauchen zu behaupten, die Studien zum Thema Rauchen sind erschlagend eindeutig.
Wiegesagt: ich versuche nicht, Fleischkonsum zu propagieren, aber ich glaube, dass das gesundheitliche Argument nicht besonders fundiert ist und daher die Betonung im Kampf gegen Tierausbeutung woanders liegen sollte. Dass der Mensch eine omnivore Vergangenheit hat, ist relativ unumstritten, also finde ich es auch nicht besonders einleuchtend, dass Fleisch per se relativ ungesund sein soll. Kritischer und "unnatürlicher" ist der Umgang mit Antibiotika in der Tierzucht - ich glaube, es wäre hilfreicher, detailliert zu erläutern, warum die Antibiotikabelastung so problematisch ist.

Maqi hat geschrieben:Beim Veganismus ist es nicht ganz so, aber im Fall von "Vegetarier sind Mörder" (VsM) ähnlich: Unter Vegetarier ist die Möglichkeit des Veganismus meistens bekannt und die gesundheitliche Nicht-Schädlichkeit hat bei ihnen einen ähnlichen Status wie dieselbe des Nicht-"Fleisch"konsums.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich das richtig verstanden habe, du meinst, dass Vegetarier Vegetarismus und Veganismus vergleichbar von der gesundheitlichen Nicht-Schädlichkeit sehen?
(Ich persönlich halte Milchprodukte, im Gegensatz zu Fleisch, für gesundheitlich tendenziell problematisch und auch "unnatürlich" - Milchprodukte werden erst seit 10 000 Jahren, und in Maßen, konsumiert - wir sind evolutionär daran nicht besonders angepasst (Milcheiweiße sind tendenziell problematisch, Laktoseintoleranzen, etc).
Ich bin mir nicht sicher, wofür/wogegen du damit argumentiert hast?

Maqi hat geschrieben:2) Es ist richtig, dass die Darstellung der ethischen Folgen des Unveganismus drastisch und belastend wirken kann, aber die Situation in Bezug auf die Überzeugungsstrategie ist trotzdem etwas anders. Da in den Medien ständig von Tierleid berichtet wird (von Tiertransporten oder "Skandalen" bzgl. Zuständen in manchen Tierausbeutungsanlagen oder Schlachthöfen), ist sich fast jeder der Folgen für die Tiere bewusst, verdrängt sie aber immer wieder. Um hier Wirkung zu erzeugen, muss man diese Verdrängung durchbrechen, das geht nur konfrontativ.
Das Problem bei der Darstellung von den Medien und der Verdrängung ist der extreme Mangel an Alternativen. Was soll man denn essen statt Tierprodukten? Konfrontation gibt es genug, aber bei mir persönlich war es so, dass ich absolut keine Vorstellung von veganer Ernährung hatte und mich gezielt gezwungen hab, einen Monat darauf zu verzichten, weil ich eingesehen hab, dass man das ausprobieren muss, um auf die Alternativen zu kommen. Ich halte die Frage "Was isst man denn dann noch?" für absolut berechtigt - wer mit solchen Produkten aufgewachsen ist, für den ist das eine riesige Umstellung! Die Verdrängung liegt also daran, dass anscheinend "daran nichts zu machen ist" - Menschen verdrängen sinnvollerweise (!) Themen, an denen sie nichts ändern können, da sie sich sonst unnötig emotional belasten würden. Daher ist es wichtig, zu zeigen, dass etwas geändert werden kann.

Maqi hat geschrieben:Zudem scheinst du die Abwehrreaktion überzubewerten. Wie bereits gesagt, ist die heftige Abwehr auf Texte wie VsM das Zeichen, dass sie funktionieren, d.h. Wirkung zeigen.
Nein, das denke ich nicht. Immer wieder im Alltag, wenn ich sage, dass ich mich vegan-orientiert ernähre, spüre ich diesen "Ekel" und diese Abwehr gegenüber Veganismus - das halte ich für absolut kontraproduktiv. Viele Leute haben durch mich zum ersten Mal eine unaufdringliche, unkonfrontative Art des Veganismus kennengelernt, viele sind überrascht, dass sich die absurde Abwehr gegen Veganismus in ihrem Kopf einfach verschwindet. Und auch in meinem Denken wurde erst durch eine Freundin, die sich so verhielt, der "Schalter umgelegt" und die Basis für Interesse am Thema gelegt. Ich habe eine geradezu allergische Reaktion darauf, wenn jemand mich zwingt, etwas zu denken oder auf eine gewisse Art zu handeln. Bei mir liegt das unter anderem daran, dass meine Eltern relativ geistig unterdrückerisch waren udn mir ihr Weltbild aufzwingen wollten - aber ich glaube, Menschen sind generell so, dass sie wehrhaft gegen konfrontativ vorgetragene Themen sind.
Die Gegenreaktion zeigt nur, dass die überlebensnotwendige Fähigkeit des Gehirns, die schrecklichen Sachen des Lebens abzuwehren (Kinder verhungern, Krieg, religiöser Wahn, Rassismus, Gewalt), in der Tat funktioniert. Verhungernde Kinder werden, genau wie gequälte Tiere, im Kopf abgestellt, und konfrontative Bilder effektiv und aggressiv abgewehrt.

Maqi hat geschrieben: Genau diese Abfolge zeigen die Reaktionen von vielen Leuten, die VsM gelesen haben.
Dass manche davon überzeugt werden, bestreite ich nicht. Ich kritisiere jedoch, dass die meisten davon abgeschreckt werden, und sich Vegetarier auf effektivere Art zum Veganismus überzeugen lassen - mit mehr positiven Argumenten, die ehrliche Antworten auf die Fragen "was isst man denn dann" udn "wieviel kostet das" und "ist das nicht ungesund" geben..

Maqi hat geschrieben:Bevor der Hinweis auf Einseitigkeit oder selektive Wahrnehmung kommt:
ich fürchte, der kommt trotzdem ;)

Maqi hat geschrieben:Die negativen Reaktionen darauf gibt es, sie lassen sich zu zwei Gruppen zuordnen: 1. die Leute, die den Artikel nicht gelesen haben (sehr deutlich aus Formulierungen wie was habt ihr gegen vegetarier? was haben sie denn falsch gemacht? usw.), 2. die, die ohnehin nicht vegan werden wollen. Da es bei Vegetariern im Gegensatz zu Veganern nicht wenige gibt (min. die Hälfte), die aus gesundheitlichen oder religiösen Gründen vegetarisch leben, nicht aus ethischen, sind das Speziesisten wie alle anderen. Sie haben das Problem verstanden, es interessiert sie nur nicht, daher nehmen sie den Text als Vorwand für ihre Unwilligkeit.
Erstens: was ist mit leuten, die kein Feedback geben? - Stichpunkt selektive Wahrnehmung von deiner Seite. Zweitens: was ist mit Leuten, die vielleicht doch Veganer werden wollen würden, wenn sie eine Vorstellung davon haben, was sie dann essen? So eine war ich. Und ich hätte auch so einen pampigen Text zurückgeschrieben. Also gehöre ich gewissermaßen in die beiden von mir dargestellten Kategorien, die du vergessen hast. (Ich schreib sogar heute noch pampige Texte. xD)

Maqi hat geschrieben:Gibt es auch solche, die wirklich "abgeschreckt" wurden? Manche sicher, aber das ist der kleinste Teil (s.o.) und beweist nur, dass kein Text und keine Strategie perfekt ist, d.h. mit der man absolut alle Menschen erreichen kann.
Naja. Woher willst du das wissen? Ich behaupte ja, dass die Mehrheit abgeschreckt wird.

Maqi hat geschrieben:Da das Internet jedoch voller vegetarismusfreundlicher Seiten ist, ist so ein Ausgleich mehr als sinnvoll.
Die Kritik ist ja, wie schon beschrieben, dass du dich durch "unfaire" Methoden, also Linksetzen auf diversen Seiten, viel leichter finden lässt, und dich gewissermaßen google-artig aufdrängst.

Maqi hat geschrieben:Die Reaktionen, die sagen, sie hätten hier im Gegensatz zu anderen veganismusbezogenen Seiten zum ersten Mal Kritik gelesen, bestätigen das.
Also das kann ich absolut nicht bestätigen. Veganismus ist eins der unangenehmsten Themen, mit denen ich mich beschäftigt hab. Überall gibt es Seiten, bei denen dir ständig erklärt wird, warum es ja so scheiße ist, was du als Omnivorer machst, dass du im Forum deine Meinung nur dann äußern darfst, wenn sie vegan ist etc. Ich fühle mich auf den meisten Seiten wirklich unwohl und nicht willkommen. Natürlich ist die Kritik die Wahrheit, aber ich war z.B. davon überfordert und bin über einen völlig anderen Weg (Klimaschutz) auf das Thema der Tierethik gekommen, und ich glaube mir geht es da wie einigen anderen.

Maqi hat geschrieben: 3) Wieso das Minderheitenargument gegen konfrontative Werbung spricht, verstehe ich nicht ganz.
Weil der Mainstream eine "positive" (d.h. als positiv wahrgenommenes "schwimme mit!"-Gefühl) eine "positive" Wirkung besitzt, deren Macht sich zusammen mit negativer Wirkung zu einem sehr überzeugenden Ganzen verbindet. Beispiel Antirassismus. Alle sind gegen Rassismus, Respekt ist Mainstream, in Kinderbüchern wird sorgfältig jedes fünfte Kind dunkel angemalt oder zb. Ayse genannt (was ja auch gut ist, da es die Realität darstellt). Dazu noch kombiniert mit konfrontativer Werbung (Rassismus ist schlimm!), die den Menschen daran erinnert, warum es so goldrichtig ist, diesem Mainstram zu folgen, ergibt das das optimale Gemisch.
Wenn du ein Randthema hast, das erstmal vom Mainstream als "komisch", "extrem" oder "freakig" wahrgenommen wird, kämpft die Bewegung als solche schon mal gegen jede Menge "Negativismus". Wenn dazu noch konfrontative Werbung dazukommt, wirkt das vollends abschreckend und nur wenige Menschen, die besonders nachdenklich sind oder zu "Extremen" tendieren, werden dem folgen.

maqi hat geschrieben: Vegetarier sagen ständig "für mich muss kein Tier sterben", weshalb man die Falschheit dieser Aussage deutlich aussprechen muss
Auch hier bin ich der Meinung, dass dies psychologisch effektiver zu gestalten ist. Zeitungen, die sich diesem Thema annehmen würden, würden z.B. mit Schlagzeilen wie "Vegetarismus: Mythos Tierschutz?" arbeiten, also als Titel eine "appetitanregende" Zeile, die primär neugierig machen soll und den Leser "fangen" soll. Ein Vegetarier, der denkt, er mache alles richtig, wird dadurch, denke ich, sehr neugierig: "wie, Vegetarismus ist ein Mythos? Warum denn? Was ist denn damit?" - und diese Neugierde kann dann durch den Artikel gestillt werden. "VsM" ruft primär die Abwehrreaktion auf den Plan - die Leute, die dir schriftlich Feedback gegeben haben, sind ja die, die sich den Text durchgelesen haben! - was ist mit denen, die einfach das Browserfenster geschlossen haben? Damit Texte gelesen werden, ist Neugier, nicht Abwehr, notwendig. Zeitschriften positionieren sich z.B. auch effektiv auf die Seite des Lesers, geben ihm Macht, Würde, Schutz - das wäre z.B. wie "Lieben Sie Tiere? Hier lesen Sie 10 Tipps, warum und wie Sie als Konsument die Macht haben und der Tierausbeutung ein Ende bereiten können" - und dann z.B. ein Rezept, bei dem immer ein Tierprodukt ausgetauscht wurde (Sahne - Kokosmilch, Butter- Margarine, Fleisch - Seitan, etc) - mit dem Grund, warum der Leser toll ist, warum er das macht. Das klingt jetzt sehr simpel, aber ich glaube, viele Menschen haben ein starkes Bedürfnis und Sehnsucht nach Lob und Anregung bzw. Anleitung.

Maqi hat geschrieben:
Ja, meiner Meinung nach sind diese [Anti-Rauch-Werbungen] nicht besonders effektiv. Sie helfen m.M.n. hauptsächlich präventiv bei Nichtrauchern.
Studien sagen etwas anderes. Hier ein Zeitungsartikel dazu: (etc)
Ja, wiegesagt, dass Rauchen Gift ist, ist unumstritten. Bei dieser überwältigenden, nicht zu verdrängenden Wahrheit wirken konfrontative Botschaften - allerdings meine ich, dass der Haupteffekt durch "positive" Botschaften kommt und die "konfrontativen" nur ein "Helfer" sind. Außerdem ist die Alternative einfach: nicht rauchen. Die Alternativen zu Nichtvegetarismus sind wesentlich umständlicher und das Thema generell in den Köpfen der Menschen negativ. Das sind die zwei Hauptgründe, warum Konfrontation hier nicht gut wirkt, m.M.n.

Maqi hat geschrieben:Unabhängig von der Verschiedenheit von Rauchen und Unveganismus beweist das, das konfrontative Methoden erfolgreich sind.
Auf welcher logischen Grundlage nimmst du an, dass konfrontative Methoden aufgrund der Effektivität beim Rauchen auch in anderen Bereichen effektiv sind?

Maqi hat geschrieben:Ja, das ist meistens das Schema, aber das sagt doch deutlich, dass man bestrebt sein muss, diese Wirkung bereits vorher zu erzeugen. Wie gesagt: die (- wie du weißt - unglaublich starke) Verdrängung muss überwunden werden. Das geht nicht auf die sanfte Art.
Bei mir ging es auf die sanfte Art. Bei fünf meiner sechs Veganer-Bekanntschaften auch. Ich kann mich nur widerholen: Die Blockade liegt da, weil die Alternative umständlich scheint und weil die Leute sich nicht gerne mit unangenehmen Sachen auseinandersetzen. Pures draufklotzen auf die ohnehin vorhandene und abgewehrte "Tierhaltung ist böse"-Wahrheit ist daher m.M.n. unsinnig.

Maqi hat geschrieben:
Eine positive Botschaft "Nicht W hängt kausal zusammen mit Gutem Z, also tue W" würde ich als Pull-Effekt bezeichnen. Da es aber normal ist, dass es viele tolle Optionen gibt, fühlt sich der Mensch davon nicht bedroht, schottet sich also nicht ab, sondern die Optionen werden abgewogen - wofür Zeit, Mühe, Geld investiert wird.
Nur ist das nur die eine Seite. Die Abwägung der Optionen fällt immer zu der Seite, die leichter umzusetzen ist und das ist die Nicht-Änderung. Ohne wirklich zwingende Gründe, und das sind nur die ethischen, nicht die gesundheitlichen/ökologischen, fehlt der finale Anreiz.
Meiner Meinung nach müssen die zwingenden Gründe mit der Alternative zusammen geliefert werden, sonst sind sie ineffektiv. "Kinder hungern zu Tode!" führt zu einem müden "jaja, die Welt ist böse..." - ein "Kinder hungern zu Tode! Fördern Sie dieses und jenes Projekt, um sie zu retten, ihnen eine Zukunft zu bieten, Essen, pädagogisches Konzept, blabla" - führt zu einem "oh, da könnte ich spenden!"

Maqi hat geschrieben:
Ich finde, diese Erkenntnisse über die Konsequenzen des Nichtveganismus sollten vom Menschen selbst kommen, nachdem er vegan geworden ist, und auch nur, nachdem er sich erlaubt, sich da selbst zu entschuldigen, da er damals eine andere Perspektive hatte. Denn die Vorwürfe sind groß.
Wie soll das gehen? Die Einsicht ist der Faktor, der zur Verhaltensänderung führt.
Nein. Bei mir nicht, bei vielen meiner veganen Bekanntschaften auch nicht. Der Auslöser bei mir war, dass ich vegetarische Bouletten probiert hab und mir plötzlich klar wurde, dass Veganer auch "echtes", sattmachendes Essen essen können.
Ich habe erst seit kurzem begriffen, was für Leid den Tieren angetan wird. Das ökologische Argument ist beispielsweise auch extrem mächtig. Das hat bei mir ziemlich gewirkt.

Eine Frage habe ich übrigens auch noch dazu: was ist, wenn man aus gesundheitlichen Gründen kaum vegan sein kann?
Eine Freundin von mir war mal aus ethischen Gründen zwei Wochen vegan - sie hat allerdings sehr viele gesundheitliche Probleme bezüglich Ernährung und verträgt kein Soja, keine Nüsse, keine Hülsenfrüchte und kein Gluten. Eiweiße sind bei ihr generell schwierig, sie ist fast dauerhaft anämisch, man weiß nicht warum, und bei der veganen Ernährung haben sich die Probleme leider drastisch verschärft. Deswegen musste sie es abbrechen. Was würdest du in einem solchen Fall raten? Natürlich kommt so etwas extrem selten vor, aber der Fall ist reell.

Maqi hat geschrieben:Die Einsicht, dass man eine heiße Herdplatte, die am anfasst, loslassen sollte, kommt in dem Moment der Schmerzempfindung (und erst die ist die Motivation zum Loslassen), nicht erst hinterher, wenn man seine Verbrennung betrachtet.
Sogar dieses Beispiel stimmt nicht ganz. In dem Moment der Verletzung schüttet der Körper "Schmerzmittel", Serotonine, Aufputschmittel, etc. aus, so dass der Schmerz im Vergleich zur Verletzung extrem gering wahrgenommen wird. Das dient dazu, dass der Mensch sich von der Verletzung schützen kann. Der relle Schmerz kommt erst Stunden später, wenn die Gefahrenquelle längst gebannt ist, und dient dazu, auf die Schutzbedürftigkeit der verletzten Stelle hinzuweisen und - wenn sich die Situation entspannt hat - als Warnung zu dienen. Oft wird berichtet, dass ein schwer verletzter Mensch im Moment des Schocks "gar nichts" wahrgenommen hat.

Maqi hat geschrieben:Das ist genau das Konzept, was besteht: Vegetarier sind im traditionellen Umfeld von Veganismus-Seiten ständig von (ausschließlich) positiven Argumenten umgeben und dadurch prädestiniert. Die "negativen" Fakten sind dann der letzte Denkanstoß.
Meiner Meinung nach muss das zusammen dosiert werden - du gibst nur negative Fakten. 9/10 positiv, dann der negative "Arschtritt" - freundlich und sachlich, aber bestimmt - das wäre effektiver.
Zuletzt geändert von kiara am 24. Jun 2010 14:52, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Milch ist Doppelmord

Beitragvon illith am 24. Jun 2010 14:46

wegen euch werd ich noch meinen webspace upgraden müssen oO
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Re: Milch ist Doppelmord

Beitragvon kiara am 24. Jun 2010 14:50

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kiara
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Beitragvon maqi am 28. Jun 2010 15:33

kiara hat geschrieben:Aber sicher gibt es einen großen Unterschied. Wer als Jugendlicher anfängt zu rauchen und schwer raucht, ist mit etwa 50%er Wahrscheinlichkeit mit 50-60 Jahren tot.


Schwer Rauchen ist mit hohem "Fleisch"konsum vergleichbar. Wer mäßig raucht (vlt. "einmal in der Woche"?; kennen wir ja: "nur einmal in der Woche Fleisch essen" oder "Zurück zum Sonntagsbraten" und andere Tiermordrelativisten-Aussagen), dürfte auch hoch halbwegs gesund leben können.

Der Unterschied ist nur, dass die Antiraucherorganisationen nicht solchen Unsinn wie "weniger Rauchen" propagieren, sondern konsequent für das Aufhören eintreten. Beim Unveganismus sollte man das genauso machen.

Studien, bei denen alle anderen Faktoren gleich gehalten werden und zwischen zwei Probandengruppen nur der Fleischkonsum anders ist, wären aussagekräftiger, und es gibt einige Ernährungswissenschaftler, die aufgrund von solchen Studien Fleisch als Eiweißquelle empfehlen.


Ja, dass diese "Vegetarier leben länger"-Studien methodisch nicht ganz richtig sind, ist mir bekannt, es ging mir hier aber um die allgemeine öffentliche Wahrnehmung und die nimmt an, dass das so stimme.

Wiegesagt: ich versuche nicht, Fleischkonsum zu propagieren, aber ich glaube, dass das gesundheitliche Argument nicht besonders fundiert ist und daher die Betonung im Kampf gegen Tierausbeutung woanders liegen sollte.


Ich bin auch gegen das Gesundheitsargument (wenn es Primärargument ist). Hier ging es aber darum, dass die Bereiche im Groben vergleichbar sind, der Meinung bin ich weiterhin.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich das richtig verstanden habe, du meinst, dass Vegetarier Vegetarismus und Veganismus vergleichbar von der gesundheitlichen Nicht-Schädlichkeit sehen?


Die meisten Vegetarier wissen, dass Veganismus ohne gesundheitliche Schäden möglich ist, da sie im Gegensatz zu sonstigen Unveganern näheren Kontakt zum Veganismus haben. Deshalb ist bei ihnen die Gefahr der "Abschreckung" (worum es ja hier geht) aufgrund von möglicherweise fehlenden Vorinformationen geringer. Daher ist eine aggressivere Herangehensweise effektiver und daher sinnvoll und nicht kontraproduktiv.

Das Problem bei der Darstellung von den Medien und der Verdrängung ist der extreme Mangel an Alternativen. Was soll man denn essen statt Tierprodukten? ... für den ist das eine riesige Umstellung!


Das gleiche wie eben: bei Vegetariern sind diese Probleme wesentlich weniger stark ausgeprägt, da viele schon aufgrund ihrer Lebensweise mehr Ahnung von veganen Alternativen auch zu vegetarischen Tierprodukten haben. ("Das gleiche wie eben" heißt: "Deshalb ist bei ihnen die Gefahr der "Abschreckung" aufgrund von möglicherweise fehlenden Vorinformationen geringer. Daher ist eine aggressivere Herangehensweise effektiver und daher sinnvoll und nicht kontraproduktiv.")

aber ich glaube, Menschen sind generell so, dass sie wehrhaft gegen konfrontativ vorgetragene Themen sind. ... Verhungernde Kinder werden, genau wie gequälte Tiere, im Kopf abgestellt, und konfrontative Bilder effektiv und aggressiv abgewehrt.


Natürlich sind sie wehrhaft. Nur ist die Situation eine völlig andere als bei verhungernden Kindern, denn dafür sind sie mit ihren täglichen Handlungen so gut wie gar nicht verantwortlich. Unveganer hingegen können ihr Verhalten sofort ändern und auch wenn sie Informationsmangel in der Umsetzung haben, ist ihnen die Möglichkeit trotzdem bewusst, allein durch die Existenz von Veganern. Jemandem konfrontativ bei etwas zu begegnen, wofür er kaum Verantwortung trägt und dass er nicht ändern kann ("Kinder verhungern, Krieg, religiöser Wahn, Rassismus, Gewalt" [letzten drei, wenn sie sich auf andere Menschen beziehen]), oder jemanden konfrontativ zu begegnen bei etwas, wofür er direkt verantwortlich ist und dass er sofort ändern kann, ist ein himmelweiter Unterschied. Im letzten Fall (eben dem des Unveganismus), steht im Vordergrund die Verdrängung zu überwinden und das geht konfrontativ am besten.

Ich kritisiere jedoch, dass die meisten davon abgeschreckt werden, und sich Vegetarier auf effektivere Art zum Veganismus überzeugen lassen - mit mehr positiven Argumenten, die ehrliche Antworten auf die Fragen "was isst man denn dann" udn "wieviel kostet das" und "ist das nicht ungesund" geben..


Wie kommst du auf "die meisten"? Das ist für mich ein rein subjektiver Eindruck deinerseits und daher gegen die von mir genannten objektiven und empirischen Tatsachen nicht sehr überzeugend.
Zu den positiven Argumenten sagte ich bereits, dass die auch wichtig, aber größtenteils vorhanden und bekannt sind nur reichen sie nicht aus. Denn Kostenersparnis, Gesundheit und Umweltfreundlichkeit sind gute Vorbereitungen, ohne zwingende Argumente (solche, die eine Entscheidung provozieren), werden sich die meisten Menschen jedoch nicht ändern.

Erstens: was ist mit leuten, die kein Feedback geben? - Stichpunkt selektive Wahrnehmung von deiner Seite. Zweitens: was ist mit Leuten, die vielleicht doch Veganer werden wollen würden, wenn sie eine Vorstellung davon haben, was sie dann essen? So eine war ich. Und ich hätte auch so einen pampigen Text zurückgeschrieben. Also gehöre ich gewissermaßen in die beiden von mir dargestellten Kategorien, die du vergessen hast.


Zu erstens: ganz einfache und naheliegende Antwort: ich kann nicht hellsehen (oder sonst wie die Gedanken von Leuten erraten, die sie nicht mitteilen). Zur selektiven Wahrnehmung: wie du gelesen hast, bin ich auf die negativen Rückmeldungen - die es natürlich gibt - eingegangen, das ist nicht selektiv.
Zu zweitens: wenn du das nicht gewusst hast, ist es dein Fehler, dass du dich nicht auf den weiterführenden Seiten informiert hast. Wenn es dich emotional getroffen hat, ist das der eindeutig Beweis, dass der Text auch bei dir auf die Weise funktioniert, auf die er ausgerichtet ist. Die anderen Aspekte des Veganismus werden hier nicht behandelt, weil es dafür andere Seiten gibt.

Naja. Woher willst du das wissen? Ich behaupte ja, dass die Mehrheit abgeschreckt wird.


Aus der Schlussfolgerung der Tatsachen (ich schrieb "s.o."). Die Frage ist, woher du das Gegenteil wissen willst. M.W. hast du bisher weder theoretisch noch empirisch Fälle genannt, die nicht in die von mir genannten Kategorien der negativen Reaktionen fallen.

Die Kritik ist ja, wie schon beschrieben, dass du dich durch "unfaire" Methoden, also Linksetzen auf diversen Seiten, viel leichter finden lässt, und dich gewissermaßen google-artig aufdrängst.


Auch wenn man leichter gefunden ist, wirkt das nur zu einem geringen Teil dem quantitativen Überangebot der Seiten anderer Art entgegen. Wenn es überhaupt gefunden wird, denn VsM ist bei den Suchergebnisse zu "vegetarisch" bzw. "Vegetarismus" nicht unter den ersten zweihundert Ergebnissen. Wenn es gefunden wird, dann wohl nur durch Zufall oder Verlinkung von anderer Seiten.

Also das kann ich absolut nicht bestätigen. ... und ich glaube mir geht es da wie einigen anderen.


Das mag ja sein, aber - nichts für ungut - ich wüsste nicht, wieso man sich nach deiner subjektive Ansicht bzw. deinen Vermutungen richten sollte. (Die theoretischen und empirischen Tatsachen, die dagegen sprechen, nannte ich.)

Dazu noch kombiniert mit konfrontativer Werbung (Rassismus ist schlimm!), die den Menschen daran erinnert, warum es so goldrichtig ist, diesem Mainstram zu folgen, ergibt das das optimale Gemisch.


Soweit waren wir schon. Ich habe bestätigt, dass man sowohl positive als auch "negative" Gründe braucht bzw. die Kombination wichtig ist. Seiten mit positiven Gründen gibt es en masse, solche, die Klartext reden, fast nicht (oder kannst du mir eine einzige nennen)? Dieser Theorie nach hat die VsM-Seite ihre absolute Berechtigung (übrigens auch in der Trennung von positiven Gründen, die für dich nach deinen Angaben das Problem gewesen sei, da dies bei Antirassismus-Werbung nicht anders ist).

Wenn du ein Randthema hast, das erstmal vom Mainstream als "komisch", "extrem" oder "freakig" wahrgenommen wird, kämpft die Bewegung als solche schon mal gegen jede Menge "Negativismus". Wenn dazu noch konfrontative Werbung dazukommt, wirkt das vollends abschreckend und nur wenige Menschen, die besonders nachdenklich sind oder zu "Extremen" tendieren, werden dem folgen.


Du verwechselst immer noch Aufstreckung mit Abschreckung. Wie ich bereits sagte: natürlich werden die meisten erst einmal ablehnend reagieren, weil das die natürliche Reaktion ist. Sie werden aber gezwungen, über das Thema nachzudenken, auch wenn sie sich nicht sofort ändern (was man natürlich nur bei einem kleinen Teil erwarten kann). Deine eigene Geschichte (soweit ich sie verstanden habe) bestätigt das. Wenn du abgeschreckt wärst, hättest du dich nicht weiter mit dem Thema beschäftigt, denn nur das wäre wirklich Abschreckung.

Damit Texte gelesen werden, ist Neugier, nicht Abwehr, notwendig.


Neugier und Abwehr schließen sich nicht aus. Gerade die Abwehrreaktion, die Infragestellung der eigenen Überzeugung, bewirkt den Antrieb zu überprüfen, ob das auch wirklich stimmt (bzw. nicht stimmt). Die, die es nicht lesen, sind die, die die Thematik bereits kennen und wissen, was gemeint ist. Das sind die überzeugten Speziesisten und die erreicht man auch mit positiven Argumenten nicht.
Der andere Aspekt, den du nanntest - dass die meisten anderen Artikel mit positiven Titeln arbeiten - spricht genauso dafür: die gesamten Medien sind mit positiven Titeln, wie man was besser machen könne, überfrachtet. Ein negativer Titel sticht aus der Menge heraus und verstärkt damit die Neugier auf den Inhalt.

Auf welcher logischen Grundlage nimmst du an, dass konfrontative Methoden aufgrund der Effektivität beim Rauchen auch in anderen Bereichen effektiv sind?


Auf der Grundlage, dass man festsitzende Denkmuster mit positiven Gründen vorbereiten kann (aber nicht muss, nachbereitend geht auch), aber man sie konfrontativ angreifen muss, da positive Gründe allein nicht zu einer Verhaltensänderung führen. Dass die allgemeine Verdrängung überwunden werden muss (was wie gesagt mit positiven Gründen allein nicht funktioniert), gilt für Rauchen, AIDS oder Unveganismus ähnlichermaßen.

Die Blockade liegt da, weil die Alternative umständlich scheint und weil die Leute sich nicht gerne mit unangenehmen Sachen auseinandersetzen.


Das meine ich doch: sie werden sie nie von selbst mit unangenehmen Dingen auseinandersetzen, wenn man sie nicht dazu nötigt. Dass die Alternative nicht möglich sei, ist eine allgemeine Ausrede. Jeder, der den VsM-Text liest, weiß zwangsläufig, dass es Menschen gibt, die so leben wie dort empfohlen wird, dass es also möglich ist. Ob die Alternative auch umständlich ist, kann man an dieser Stelle noch gar nicht wissen ohne sich weiter zu informieren.

Meiner Meinung nach müssen die zwingenden Gründe mit der Alternative zusammen geliefert werden, sonst sind sie ineffektiv.


Das steht im Text und ist der vorletzte Satz: Wer dagegen ethisch leben will – also etwa ethisch motivierte Vegetarier -, wird vegan. Für die Wie-Frage gibt es dann weiterführende Seiten.

Nein. Bei mir nicht, bei vielen meiner veganen Bekanntschaften auch nicht. Der Auslöser bei mir war, dass ich vegetarische Bouletten probiert hab und mir plötzlich klar wurde, dass Veganer auch "echtes", sattmachendes Essen essen können.
Ich habe erst seit kurzem begriffen, was für Leid den Tieren angetan wird. Das ökologische Argument ist beispielsweise auch extrem mächtig. Das hat bei mir ziemlich gewirkt.


Trotzdem war auch bei dir die Einsicht der Faktor, der zur Verhaltensänderung geführt hat. Man Vegetarismus kann man das gut zeigen, da es verbreiteter ist: dass Vegetarismus möglich, nicht ungesund und stattmachend ist, ist trotz Vorurteilen praktisch jedem bekannt. Trotzdem gibt es keine Massenbewegung zum Vegetarismus, weil die zwingende Einsicht, die die Grundlage bildet, fehlt.

Sogar dieses Beispiel stimmt nicht ganz. In dem Moment der Verletzung schüttet der Körper "Schmerzmittel", Serotonine, Aufputschmittel, etc. aus, so dass der Schmerz im Vergleich zur Verletzung extrem gering wahrgenommen wird. Das dient dazu, dass der Mensch sich von der Verletzung schützen kann. Der relle Schmerz kommt erst Stunden später, wenn die Gefahrenquelle längst gebannt ist, und dient dazu, auf die Schutzbedürftigkeit der verletzten Stelle hinzuweisen und - wenn sich die Situation entspannt hat - als Warnung zu dienen. Oft wird berichtet, dass ein schwer verletzter Mensch im Moment des Schocks "gar nichts" wahrgenommen hat.


Das ist ja alles richtig, ich sehe aber nicht, was das an der Tatsache ändert, dass die Motivation die Herdplatte loszulassen im Moment des Schmerzes kommt. Du beziehst dich auf Fälle, wo man an der Schmerzquelle nichts ändern kann (Unfall etc.), hier ist Dämpfung usw. sinnvoll, aber nicht in den Fällen, wo man die Kontrolle hat.

Eine Frage habe ich übrigens auch noch dazu: was ist, wenn man aus gesundheitlichen Gründen kaum vegan sein kann?
Eine Freundin von mir war mal aus ethischen Gründen zwei Wochen vegan - sie hat allerdings sehr viele gesundheitliche Probleme bezüglich Ernährung und verträgt kein Soja, keine Nüsse, keine Hülsenfrüchte und kein Gluten. Eiweiße sind bei ihr generell schwierig, sie ist fast dauerhaft anämisch, man weiß nicht warum, und bei der veganen Ernährung haben sich die Probleme leider drastisch verschärft. Deswegen musste sie es abbrechen. Was würdest du in einem solchen Fall raten? Natürlich kommt so etwas extrem selten vor, aber der Fall ist reell.


Dass vegane Ernährung in einem solchen Fall umständliches wäre, als sonst, ist klar, aber ich würde ich sagen, dass es unmöglich ist. D.h. ich würde dazu raten, es weiter zu versuchen, die Quellen für die Unverträglichkeit herausfinden usw. Auch wer gegen Hülsenfrüchte allergisch ist, ist es nicht gegen alle gleichermaßen, muss also probieren, welche er verträgt und welche nicht. Als Eiweißquelle wäre glutenfreies Getreide (also glutenfrei gemachtes) und Pseudo-Getreide geeignet (Reis, Mais, Buchweizen, Hirse, Quinoa, Amarant), als Milch Hafermilch (enthält nur sehr wenig Gluten und ist für viele Zöliakie-Erkrankte verträglich).
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Tag der Milch 2011

Beitragvon maqi am 31. Mai 2011 18:46

Pressemitteilung (30. Mai 2011)

Lügen über Drüsensekrete

Am 1. Juni ist der "Tag der Milch", auch Weltmilchtag oder Internationaler Tag der Milch genannt. In den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde er vom internationalen Verband der Milchwirtschaft eingeführt, um vor allem Kinder und Eltern bezüglich der angeblichen Vorteile des Konsums von Drüsensekreten anderer Spezies zu indoktrinieren. Mittlerweile wird dieser Tag wie auch andere Tierausbeutungspropagandatage von Antispeziesisten genutzt, um über die tatsächlichen Hintergründe dieser und anderer Formen von Unveganismus aufzuklären.

Die Tierausbeutungsindustrie versucht, um - auch ethische - Bedenken aus dem Weg zu räumen, dem "weißen Blut" ein gesundes Image zu verpassen. "Auf zahlreichen Veranstaltungen können Jung und Alt die positive Wirkung von Milch erleben und Milchprodukte als wichtige Bausteine für eine bedarfsgerechte Ernährung entdecken [...]. Mit dem regelmäßigem Konsum dieser Produkte können Kinder genauso wie Erwachsene auf schmackhafte Weise aktiv etwas für ihr Wohlbefinden sowie für die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit tun. Insbesondere beim Frühstück und in den Schulpausen sollten Milch und Milchprodukte daher ständige Begleiter unserer Kinder sein. Deswegen setze ich mich dafür ein, den Verbrauch von Schulmilch in Deutschland zu steigern", äußert verantwortungslos die angeblich auch für "Verbraucherschutz" zuständige Landwirtschaftspropagandaministerin Ilse Aigner aus diesem Anlass. Dabei unterschlägt sie, dass durch Konsum von Tiermilch (und anderen Tierprodukten, vor allem Leichenteile und Vogeleier) in Wahrheit das Risiko zahlreicher Krankheiten signifikant steigt; und keineswegs nur so vergleichsweise harmloser wie leicht zu behandelnder Vitaminmangel, Fußpilz, Laktoseintoleranz oder Schnupfen, sondern tödliche kardiovaskuläre Erkrankungen (Todesursache bei jedem zweiten Menschen in Deutschland) oder Krebs oder aktuell EHEC (ob die fäkal-orale Infektion dabei wie üblich über Rohmilch oder "Hackfleisch" oder eben ausnahmsweise über gülleverseuchte Gurken erfolgt, ist dabei irrelevant, in einer veganen Gesellschaft gäbe es dieses Problem nicht). Ebenso, dass Unveganismus haupt- oder zumindest mitverantwortlich ist für Welthunger (80% der Weltsoja- und 50% der Weltgetreideernte werden "verfüttert" und somit zum großen Teil umgewandelt in Gülle), Klimaveränderungen (450 Kilogramm CO2 pro Person und Jahr allein durch Konsum von Milch und Käse) und sogar die Auswirkungen von Tsunamis.

Doch der entscheidende Punkt ist, dass für die Produktion von Kuhmilch Kühe und Kälber durch Qualzüchtung und Gefangenschaft zwangsläufig leiden und ermordet werden (unabhängig von der Art der Gefangenhaltung, ob die Milch nun als "bio" oder "fair" fehletikettiert wird). Die Kühe werden, wenn die "Milchleistung" von vielen tausend Kilogramm pro Jahr nachlässt - nur einen Bruchteil davon würde eine nicht qualgezüchtete Kuh zum Stillen produzieren -, nach etwa vier Jahren getötet. Die Kälber bereits nach wenigen Monaten. Diese werden jedes Jahr geboren - denn ohne Schwangerschaft keine Laktation - und nur ein Bruchteil von ihnen wird "benötigt", um ihre ermordeten Mütter zu ersetzen.

Entsprechendes gilt nicht nur für Rinder-, sondern auch für Ziegen-, Schafs-, Kamelmilch usw. - aber eben nicht für die zahllosen veganen Alternativen wie Sojamilch, Reismilch, Hafermilch, Dinkelmilch, Mandelmich etc.

Auch Vegetarier, die in der Regel sogar überdurchschnittlich viel Tiermilch oder Tiermilchprodukte konsumieren, um die vermeintlich fehlenden Leichenteile zu kompensieren, sind wie alle Unveganer dafür verantwortlich.

Um der in diesem Jahr wohl wieder am "Tag der Milch" auch von der Bauernhofberichterstattung in den Medien kolportierten Propaganda Fakten über die Hintergründe des subventionierten Sekrets - und ethisch verantwortliches Verhalten - entgegenzusetzen, verweist die Tierrechtsinitiative Maqi auf ihre Websites zum Thema: vegetarier-sind-moerder.de, tierrechtsbilder.de und weitere. "Dort gibt es nicht nur Rezepte für Schmorgurken oder Gurkensuppe, auch wenn das das einzige sein dürfte, was viele derzeit am Veganismus und der wiederaufgewärmten Frage 'Was kann man denn dann überhaupt noch essen?' interessiert", so Achim Stößer von Maqi.

http://maqi.de/presse/tag-der-milch-2011.html
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